Dienstag, 17. Juni 2008

12.8.66

In einem Zeitartikel (Leitartikel) vom 12.8.66 vertritt Hans Gresmann in der ZEIT die Ansicht, China sei durch seine innenpolitischen Schwierigkeiten ungefährlich. An Schwierigkeiten zählt er vor allem auf: 1.) Säuberungen im Militär, geg. die Militärs, die die Armee zur "Schule der Nation" machen wollen (obwohl Politisierung der Armee ursprüngl. gewünscht), auch geg. die Vertreter einer Technisierung der Armee. (Mao bleibt bei Guerillastrategie), 2.) Vorgehen geg. Intellektuelle [Säuberungen bezeichnen stets Schwierigkeiten] 3.) Landwirtschaftl. Krise , Einsatz von 14 Mill. (!!) Studenten i. d. Landwirtschaft 4.) Vorgehen geg. die ersten Wirtschaftsführer, Beibehalten der extrem-sozialist. Wirtschaftsstruktur, während andere sozialist. Staaten sich den Prinzipien der Rentabilität u. damit dem kapitalist. System nähern. Damit vergrößere sich auch die Kluft v. China zu anderen Staaten, China mache einen "Sprung zurück". So weit Gresmann.
Macht nicht aber innenpolit. Zwangslage nur gefährlicher? Man muß Chinas Staatsmännern schon viel Geschick und Prinzipien zutrauen, wenn man das nicht annehmen wollte. Freilich als Macht in strategischer Hinsicht ist China keine Gefahr für die USA, d.h. die USA würden bei einem Krieg China/USA stets in Territorium und Zivilbevölkerung ungefährdet bleiben.
Aber: Könnten sie sich in Asien halten ohne Einsatz von Atomwaffen? Würde der Einsatz von Atomwaffen nicht die UdSSR auf den Plan rufen? - Freilich sollte man sich nicht von Chinas Machtmitteln - wie Bevölkerung (ca 750 Mill.) u. Armee: 2,7 Mill. und weiterhin noch Miliz - schrecken lassen u. einschüchtern lassen wie etwa Chamberlain es Hitler gegenüber getan hat. Insofern mag Gresmanns Artikel gut sein. - Trotzdem bleibt aber das Phänomen bestehen, daß a.) jeder Krieg irgendeiner Macht gegen China für diese Macht äußerste Gefährdung ihrer Position in der Welt, vielleicht bis wahrscheinlich auch einen Weltkrieg bedeuten würde und b.) daß China, wenn es als Staatsgesamtheit bestehen bleibt, eines Tages der nicht wesentlich veränderten Staatsgesamtheit USA überlegen sein wird: in militärischer, in wirtschaftlicher und in kultureller Hinsicht. Das ist - glaube ich - das Gesetz der großen Menschenzahl. Jedenfalls haben die USA trotz dessen Zusammenschlüssen in allen diesen Hinsichten überflügelt und - wie ich meine - auch die UdSSR. Freilich, bis China soweit ist, kann es noch Jahrhunderte dauern. Sicher aber dürfte sein, daß außer einem vereinigten Europa (nicht nur Westeuropa) in absehbarer Zeit keine Macht außer China die Chance hat aus dem Duopotentiat ein Triumpotentiat zu machen.

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