Freitag, 1. August 2008

28.4.68

Tagung über „Wissenschftl. techn. Revolution“ in Marienbad in CSR. Diese bedeutet das Ende der industriellen Phase, d.h. der Phase, wo auch in sozialist. Staaten Ungerechtigkeiten möl. u. unverhinderbar sind.
Wahlen in Baden-Württemberg: Nach der ersten Hochrechnung, aber die pflegen ja sehr präzis zu sein, hatte die CDU kaum Stimmen verloren, die SPD hat 8-10% verloren, die FDP hat leicht gewonnen. Großer Gewinner ist die NPD, die erstmals auftrat u. 10% der Stimmen erhielt. - Das Verhältnis ist also etwa: CDU 44% SPD 28% FDP 13,5% NPD 10%. Eine Partei links von der SPD erhielt etwa 2% der Stimmen [...]
Die Entwicklung in der CSR erscheint ganz vorbildlich. Die Diskussion erfaßt alle Bereiche, man scheint sich auch zunehmend gegenüber der UdSSR abgesichert zu haben. - Bzgl. Friedensgesprächen üb. Vietnam geht es weiterhin noch um den Ort für die Verhandlungen. Augenblicklich sind ein amerikan. Botschafter und ein nordvietnam. Unterhändler in einem Ort Hinterindiens an Unterhandlungen, aber zumindest offiziell geht es nur um den Ort der Verhandlungen. Johnson hat auf Präsidentschaftskandidatur verzichtet an seine Stelle ist in der demokrat. Partei Vizepräsident Humphrey getreten.
Das vom Landeswahlleiter autorisierte verläufige Endergebnis der Wahlen von Baden-Württemberg: [...] - Erfreulich immerhin, daß die FDP spürbar gewonnen hat, wenn auch sehr wenig, wenn man bedenkt, daß Württemberg FDP-Hochburg ist und Dahrendorf, der große Mann der FDP, so optimistisch war. - Was soll man empfehlen? Eine Koalition CDU-FDP läge an sich nahe, könnte aber die SPD in der Opposition gelegentlich zu ähnlichen Stellungnahmen wie die NPD bringen. Immerhin wäre das wohl doch besser als weiterhin eine verwaschene große Koalition, bei der vielleicht die FDP mit der NPD in einen Topf geworfen werden könnte, nur weil sie auch Opposition ist. - Die Sitzverteilung im Parlament [...]

1 Kommentar:

Fontanefan hat gesagt…

Auffallend scheint mir die große Abneigung gegenüber der Großen Koalition. (Das wird dann in dem Eintrag vom 7.10.69 gipfeln, wo es heißt: "Die Koalitionsverhandlungen von SPD und FDP haben einen - und zwar die meisten politisch etwas interessierten Studenten, die ich kenne - so in Atem gehalten, daß man fast keine Nachrichten versäumen wollte.") Meiner Erinnerung nach war das stärkste Gefühl der Unzufriedenheit das, von der SPD durch die Bildung der Großen Koalition betrogen worden zu sein. Dem Tagebuch entnehme ich, dass aber auch der Vietnamkrieg mich damals sehr beschäftigt hat. Der angebliche Elan der Studentenbewegung bei der Aufarbeitung der NS-Zeit ist mir von damals her nicht mehr in Erinnerung, jedenfalls hat er mich nicht interessiert, weil ich schon in der Schulzeit gut informiert worden war.
Bemerkenswert auch die Vorstellung, SPD oder FDP könnten aufgrund einer Oppositionsrolle in die Nähe der NPD gerückt werden.